HUTSALON JOSEFSTADT
Viktoriya Sitochina
Josefstädter Straße 38
1080 Wien

T: 0699 12156634
E: hutsalon@gmx.at

Lassen wir die Modistin selbst erklären: „Es geht um Leichtigkeit. Ein Hut muss in jeder Hinsicht leicht sein – mit leichter Hand gefertigt, aus leichten Materialien, leicht zu tragen, um ohne viel Herumrücken gut zu sitzen. Ein schnelles Kleidungsstück, das auf die Gesamtproportionen enormen Einfluss hat. Ein guter Hut kann alles richten: Das Dastehen, die Laune, die Frisur, den Teint. Man fühlt sich beschützt und erhoben, immer gut gekleidet und immer leicht beneidet. Mit einem Hut ist man stets der Aufmerksamkeit gewiss, man entkommt dem allzupraktischen Bekleidungs-Mainstream und achtet mehr auf sich selbst. In gewisser Weise trägt ein Hut zur Selbstwahrnehmung bei, ohne dass man ständig Selfies machen müsste. Eine Dame im Hut ist das wandelnde Selbstbewusstsein.“

Viktoriya Sitochina, aus Sibirien gebürtig, betreibt ihren Hutsalon seit siebzehn Jahren in der Josefstadt. Nach kurzer Zeit konnte sie das Vertrauen der Wiener Damen gewinnen, weil sie mit Begriffen wie Umformen, Nachsteifen, Aufputzen noch etwas anfangen kann. Ihre gute Wiener Schule stellte sie sich mangels öffentlicher oder privater Modistenklassen selbst zusammen: Kostümwerkstatt der Bundestheater (Hutabteilung), Collin’s Hüte, wo sie auch die anstrengende Herrenhut-Manufaktur kennenlernte und im Verkauf den Umgang mit anspruchsvoller Kundschaft. Dort konnte sie auch ihr Vertrauen in eine als absterbend geltende Branche festigen. Heute muss sie sich längst nicht mehr fragen lassen, ob man davon eigentlich leben kann.

Dass sie in ihrem sehenswerten Laden auch sämtliche Damenbekleidung, von Dessous über Kostüme, Business-Anzüge bis zu Mantel, Hochzeitskleid und Theaterkostüm anbieten kann, und alles auf Maß geschneidert, liegt an der soliden Ausbildung, die sie bei Meister Boris Grigorewitch Weissmann in Odessa erhalten hat, während er über seine Zeit als Ausstatter des Bolschoi-Ballett, der Moskauer Nomenklatura oder als Mantelfabrikant der russischen Armee berichtete. Dank seiner kennt sie etliche Geheimnisse aus der Hohen Schule des Schneiderns, Nähens, Bügelns, die ihr auf gewisse Weise bei jedem Arbeitsschritt zugutekommen, weil von strenger Disziplin unterlegt, dennoch mit einer gewissen Nonchalance dargeboten.

Gefertigt werden klassische Damenhüte meist aus Filzstumpen (Hasenhaar, Biberhaar), geformt über Dampf, freihändig gebügelt oder über Holzmodel gezogen. Bogenschere, Fadenzug, Bügelpilz – und stichelige Präzision beim Annähen der Bänder innen und außen. Erst vom Beherrschen des Handwerks kommt die Leichtigkeit, aus der Pflicht die Kür.

Offensichtlich werden Viktoriyas Bemühungen geschätzt; unter ihrer Kundschaft finden sich Anwältinnen, Regisseusen, Schneiderinnen, Trickfilmmacherinnen, Universitätsprofessorinnen, Richterinnen, Reiseführer-Autorinnen, Radiomacherinnen und besorgte Brautmütter; eine japanische Pianistin bestellt ihr komplettes Bühnen-Outfit bei Viktoriya und nicht wenige Touristen schauen beim obligaten Wienbesuch zuerst im Hutsalon Josefstadt vorbei, um die neuesten Modelle zu probieren. Dabei ist das persönliche Gespräch sehr fördernd ­– auch hier unterfangen vom Prinzip Leichtigkeit, dem kleinen Witz, der munteren Neugier. Behutsam nimmt die Kopfbedeckung schon hier ihre erste Gestalt an. Der Rest ist Handwerk.

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